BnE-Magazin: Bildungslandschaften stärken

Solingen, 30. März 2017. Text + Fotos: Daniela Tobias

35 Akteure tauschten sich am 27. März 2017 im Kommunalen Integrationszentrum zum Thema „Bildungslandschaften stärken – aber wie?“ aus.

Was bedeutet es für die Näherin in Bangladesch, wenn ich eine Jeans für 25 Euro kaufe? Welchen Einfluss hat der tägliche Konsum von Fleisch auf das Weltklima in 10, 20 oder 50 Jahren? Was passiert mit unserer Gesellschaft, wenn ich nicht auf andere zugehe, sondern bestimmte Gruppen ausgrenze? Mit solchen Fragen setzen sich viele Solinger schon seit Jahren privat oder beruflich, in Vereinen oder Initiativen auseinander und treten für ein verantwortungsvolles Handeln mit Weitblick ein.

Ariane Bischoff (links) und Karoline Lorenz moderierten den Workshop.

Um dieses vielfältige Engagement besser zu vernetzen und weiter zu verbreiten hatte der Arbeitskreis „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE)“ zu einem Workshop ins Kommunale Integrationszentrum eingeladen. Der Kreis von Ehrenamtlern, der 2012 zusammenfand und 2014 dieses Internetportal startete, wird von Ariane Bischoff unterstützt, die das Thema Nachhaltigkeit im Solinger Rathaus als Chefstrategin vertritt.

Der Einladung waren etwa 30 Interessierte gefolgt, die entweder bereits eigene Kurse und Veranstaltungen auf der Webseite veröffentlicht haben oder beruflich aus dem Bildungsbereich kommen. Schnell stellte sich in den Diskussionen heraus, dass sperrige Fachvokabeln es schwer machen, andere mitzureißen. „Wir müssen mehr Handeln ermöglichen“, plädierte Liesbeth Bakker, die an Wuppertaler Schulen Umwelt-Projekte durchführt. „Die Kinder haben oft schon sehr viel Wissen und wollen endlich etwas tun.“ Ihr Programm „Switch“ sorgt dafür, dass die Ideen der Schüler in die politischen Gremien gelangen. Ein Resultat ist der autofreie Sonntag am 22. September 2017, an dem auch der Wuppertaler OB sein Fahrzeug stehen lassen wird.

Andere Teilnehmer berichteten von Schwierigkeiten, überhaupt einen Fuß in die Schultür zu bekommen. „Die Lehrer sind überlastet, die Stundenpläne überfrachtet,“ so die Erfahrung von Sabine Schulz-Wolff, die im Botanischen Garten Kunst- und Spinnkurse anbietet. Ein professionelleres Auftreten und eine dementsprechende Finanzierung des Arbeitsaufwands sahen einige als erforderlich an und würden dazu gerne die öffentliche Hand in die Pflicht nehmen. Zielen wie Umweltschutz, sozialer Verantwortung und globalem Lernen müsse so mehr Gewicht verliehen werden.

Wie das lokale Engagement mit den weltweiten Entwicklungszielen der Vereinten Nationen zusammenhängt, stellte Karoline Lorenz von der Eine-Welt-Regionalstelle Bergisches Land dar. „2015 wurden 17 Hauptziele verabschiedet. Dadurch hat sich eine Verschiebung des Begriffs ‚Entwicklungsland‘ ergeben, denn jetzt sind z. B. auch Industrienationen Entwicklungsländer in Sachen Umweltschutz geworden. Wir müssen uns als Weltbürger begreifen, um nachhaltig zu handeln.“ Dezernentin Dagmar Becker betonte, dass Bildung der Schlüssel sei, um die Folgen des eigenen Handelns reflektieren zu können.

Die zwei Stunden, die für den Workshop angesetzt waren, reichten kaum aus, um alle Ideen ausführlich zu diskutieren. „Wir haben viele gute Impulse bekommen, und ich hoffe, dass wir den Schub weitertragen können“, sagte Gernot Augustin vom Arbeitskreis BnE. Nach der Auswertung werde eine Einladung folgen, sich an der zukünftigen Strategie und an konkreten Maßnahmen weiter zu beteiligen. „Wir stehen tatsächlich erst am Anfang eines langen Prozesses, damit aus vielen ,müsste, könnte, sollte‘ ein ,machen wir‘ wird.“