BnE-Magazin: Bausmühle

Solingen, 15. August 2016. Fotos und Text: Daniela Tobias

Ferien draußen im Wald: von morgens bis abends mit anderen Kindern spielen, matschen, schnitzen, klettern, basteln. Was für die Generation der Großeltern noch völlig normal war, ist für Kinder heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. An der Bausmühle in Solingen-Wald bietet Jenny Dinnebier ein solches Paradies auf Zeit. 20 Kinder zwischen 5 und 11 Jahren verbringen hier die letzte Woche der Sommerferien in der Natur.

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„Ganz wichtig: es gibt kein Programm!“, stellt Jenny Dinnebier klar. Am ersten Morgen scheint das noch kein Problem zu sein. Die ganze Gruppe wuselt zwischen den Bäumen umher, tobt durch den Bach. Dann fragen die ersten, wann es denn mit dem versprochenen Schnitzen losgeht. „Da werden gleich einige ganz arg mit ihrer Langeweile zu kämpfen haben“, weiß die Naturpädagogin. Ständig bekommen Kinder im Alltag Beschäftigung frei Haus geliefert, das Wochenprogramm ist durchgetaktet. Neugier und Selbst-Motivation verkümmern da bei manchen regelrecht.

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Tuana, Ronja, Pia und Chiara sind das erste Mal in der Feriengruppe dabei. Dinnebier nimmt sie mit in ihren Gemüsegarten und lässt sie probieren, was da wächst: Kapuzinerkresse, Schnittlauch, Sauerampfer. Tuana verliebt sich spontan in den Geruch des Salbeiblattes. „Das behalte ich!“  Auch betriebsame Bienenstöcke gibt es an der Bausmühle zu sehen. Die Kaulquappen im Teich sind inzwischen schon flügge geworden. Dafür entdecken andere Kinder Frösche im Bach. „Dürfen wir die in ein Glas stecken zum beobachten?“ will ein Junge wissen. „Wenn ihr ganz gut aufpasst, dass ihr sie nicht verletzt ja. Aber gerade die kleinen Frösche sind sehr empfindlich“, mahnt Dinnebier. „Wir sind hier nur zu Gast bei den Tieren, also müssen wir uns benehmen und vorsichtig sein!“

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Respekt vor der Natur wird an der Bausmühle groß geschrieben. Es darf nichts zerstört werden, kein Müll darf im Wald liegen bleiben. Und Werfen darf man nur mit dem Plastik-Ring von Hütehund Vincent. Der liebt die Kinder heiß und innig, hat von seinem Frauchen Anke aber auch klare Regeln gelernt: Kinder werden nicht angesprungen und der Ring wird brav bei demjenigen abgeliefert, der seinen Namen ruft und sich ans Hosenbein klopft. Ronja beobachtet das Spiel zunächst skeptisch, aber nach der dritten Runde traut sie sich doch nach vorne und nimmt dem schwarz-weißen Rüden das Spielzeug vorsichtig aus dem Maul. Ein Strahlen geht über ihr Gesicht, als Vincent den Ring, den sie geworfen hat sogar im Flug schnappt.

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Berührungsängste mit Matsch und Wasser darf man an der Bausmühle ebenfalls nicht haben. Ein Mädchen springt mit Anlauf in den Holzer Bach und die Gummistiefel stehen schon unter Wasser. „Für mich war immer das Größte nach dem Regen den matschigen Hang auf dem Hosenboden runter zu rutschen“, erinnert sich Samantha. Die 15-jährige, die selber mit sechs Jahren das erste Mal in den Bach gefallen ist, macht hier inzwischen ein Praktikum als Betreuerin. Sie gehört zu den Kindern mit denen vor 10 Jahren alles anfing.

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„Die erste Gruppe, die ich hier hatte war die Grundschulklasse meiner Tochter“, erzählt Jenny Dinnebier. Dann kamen Kindergeburstage hinzu und nach einer Ausbildung zur Naturpädagogin auch regelmäßige Gruppenstunden. „Dieses Jahr ist das erste, wo ich sagen würde, wir sind etabliert“, resümiert Dinnebier. Während der Schulzeit kommen montags und dienstags nachmittags Kleinkinder mit ihren Eltern, mittwochs Kinder im Grundschulalter. Vormittags kommen nach wie vor Schulklassen oder Kindergartengruppen. „An der Grundschule Westersburg sind wir fester Bestandteil des Lehrplans.“ Dinnebier geht dabei auch gerne auf konkrete Wünsche oder Themen im Lehrplan ein. „Bienen oder Kräuter kennenzulernen gehört zu den Klassikern, aber auch Teambildung spielt zunehmend eine Rolle.“

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Während bei den Schulklassen manche Kinder echte Aha-Erlebnisse haben, wenn sie das erste Mal sehen, dass Gemüse nicht im Supermarktregal wächst, sind die Ferienkinder meistens schon von Hause aus naturverbunden.  Trotzdem gibt es auf 4.000 Quadratmeter Waldgelände immer noch etwas Neues zu entdecken. Dass die Kinder ihre Umwelt selber erforschen ist für Jenny Dinnebier der entscheidende Punkt. „Zeigen allein reicht nicht, das kommt nicht an.“ Die Bausmühlen-Prüfung besteht deswegen am Ende auch nur derjenige, der dreckig vom Gelände geht.


Veranstaltungsort: Bausmühle, Kotzerter Str. 11, 42719 Solingen
Ansprechpartner: Jenny Dinnebier und Rasila Harriers
E-Mail: info@bausmuehle.de
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